Montag, 3. Oktober 2016

Tierhaltung in Deutschland – der mechanisierte Wahnsinn

Vorab: ich gehe nicht mit, wenn PETA meint, man solle auf Fleisch verzichten. Aber ich gehe mit, wenn es darum geht die Massentierhaltung einzuschränken. 

Das Leben auf „Old McDonald’s Farm“ ist nicht mehr das, was es einmal war. Grüne Weiden und idyllische Szenen, wie sie gerne in Kinderbüchern porträtiert werden, sind fensterlosen Metallhallen, Drahtkäfigen und anderen Vorrichtungen gewichen, mit denen Tiere in der Fleisch-, Milch- und Eierproduktion auf engstem Raum eingepfercht werden. Trotz der Tatsache, dass es weitaus gesündere pflanzliche Alternativen gibt, werden alleine in Deutschland jedes Jahr knapp 800 Millionen Landlebewesen für die Ernährungsindustrie getötet.


Entbehrung und Krankheit
Mit der Intensivtierhaltung strebt die moderne Landwirtschaft danach, eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und preisgünstig wie möglich zu produzieren – und das bei minimaler Platzanforderung. Kühe, Kälber, Schweine, Hühner, Truthähne, Enten, Gänse, Kaninchen und andere Tiere werden in kleinen Käfigen oder Ställen gehalten – oft so beengt, dass sie sich nicht einmal umdrehen können. Man beraubt sie bewusst jeglicher Bewegungsmöglichkeit, damit ihre ganze Körperenergie in das Fleisch geht, das der Mensch später verzehren soll.

Da die drangvolle Enge der Tierhaltung einen fruchtbaren Nährboden für Erkrankungen bildet, werden Tiere in der Intensivtierhaltung mit enormen Mengen von Antibiotika behandelt. Schweinen werden zusätzlich Hormone verabreicht, damit sie noch mehr Ferkel auf die Welt bringen. Die Rückstände dieser Medikamente sammeln sich in den Körpern der Tiere an und gehen über den Konsum der tierischen Produkte schließlich auf den Menschen über, wo sie zu ernsthaften Gesundheitsrisiken führen können.
Hühner werden grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilt: „Legehennen“ und „Brathähnchen“

„Legehennen“
Der Platz für eine „Legehenne“ ist beim sogenannten ausgestalteten Käfig auf 800 cm² festgelegt. Das ist wenig mehr als ein DIN-A4-Blatt pro Huhn, obgleich alleine die Flügelweite jedes Tieres 80 cm beträgt (1).
Aufgrund der extremen Enge, in der die Hennen leben müssen, werden die Tiere im Halbdunkel gehalten. Zusätzlich wird ihnen die Schnabelspitze (ohne Betäubung) abgeschnitten, damit sie sich nicht gegenseitig die Federn auspicken können, was unter anderem auch zum Kannibalismus führen kann.
Wenn die Eierproduktion von Hennen im Alter von ein bis zwei Jahren nachlässt, werden die Tiere für den Landwirt unwirtschaftlich und folglich schon sehr früh getötet. Die natürliche Lebenserwartung einer Henne hingegen beträgt 15-20 Jahre. Von den rund 37 Millionen Legehennen in Deutschland (Stand 2012) leben circa 64 % in der Bodenhaltung und über 13 % in der Käfighaltung, die heutzutage beschönigend als „Kleingruppenhaltung“ bezeichnet wird (2).

„Brathähnchen“
Allein in Emsland gibt es rund 30 Millionen Haltungsplätze für „Brathähnchen“. Weltweit werden mehr als 50 Milliarden Vögel für die Geflügelmast „produziert“ (3).
Laut statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2010 für die Geflügelfleischerzeugung 591 Millionen Jungmasthühner geschlachtet. Die Schlachtbandgeschwindigkeit wird mit bis zu 1.000 Tieren pro Stunde angegeben (4).

Quelle und weitere Informationen: 
http://www.peta.de/grausamkeitantieren

Mutlos gegen Agrarfabriken

argelütz muss man nicht kennen. Ein Kaff mit vier Straßen, keine Geschäfte, keine Dorfkneipe, gerade einmal 150 Einwohner. Und doch macht das kleine Dorf in Mecklenburg-Vorpommern bundesweit seit einigen Monaten Furore. Eine Bürgerinitiative wehrt sich lautstark gegen den Bau einer großen Schweinemastanlage, organisiert Onlinepetitionen und Demonstrationen vor dem Landtag in Schwerin.
Ein niederländischer Investor will in Dargelütz eine Stallanlage für mehr als 15.000 Schweine bauen. Es wäre die größte Schweinemast in der Region, sagt Günther Schulze von der Initiative Dargelütz. Üblich seien dort Ställe für etwa 2.000 Schweine. "Wir wollen hier keine industrielle Schweinezucht mit all ihren negativen Folgen für Anwohner, Umwelt und Gesundheit." Die Tierhaltung sei nicht artgerecht, es werde massive Geruchs- und Keimbelastungen geben. 
Was in Dargelütz passiert, ist typisch für eine Entwicklung in der deutschen Landwirtschaft. Immer mehr Mega-Mastbetriebe entstehen oder sind in der Planung – gerade in Ostdeutschland. Zugleich geben immer öfter kleine Höfe auf, jedes Jahr allein drei Prozent der landwirtschaftlichen Betriebe. Von den kleinen Schweinemästern hat in den vergangenen drei Jahren ein Drittel aufgehört, mittlerweile gibt es nur noch 2.800 Betriebe mit weniger als 100 Tieren.
Zugleich aber steigt die Zahl der Großställe enorm an, seit 2010 von 300 auf mittlerweile 500 Betriebe. Diese halten in Deutschland inzwischen 4,6 Millionen Schweine. Der Markt ist inzwischen so konzentriert und in der Hand einiger weniger Großmäster, dass das Statistische Bundesamtdetaillierte Zahlen aus den Bundesländern nicht veröffentlichen darf, aus Rücksicht auf Geschäftsgeheimnisse. "Wir stellen einen gigantischen Strukturwandel fest", sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Die Agrarindustrie übernimmt zunehmend die Landwirtschaft."
Quelle und weitere Informationen: 
http://www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/landwirtschaft-massentierhaltung

Massentierhaltung in Deutschland - Die Schweine-Industrie

Als am 13.01.2016 in Berlin die "weltgrößte Messe für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau" zum 81. Mal in 90 Jahren eröffnete, war sie wieder ein Stück größer, vermutlich kamen wieder ein paar mehr Besucher. Seit 1926 kamen 85.000 Aussteller aus 128 Ländern und mehr als 32 Millionen Besucher: Zahlenfetischismus gehört zur Internationalen Grünen Woche wie die Probierhäppchen.
Von Kritikern wird sie als "Fressmesse" verspottet, und tatsächlich wird immer viel gegessen und getrunken. Immer im Zentrum: das Fleisch.
So gibt auch die Heinrich Böll Stiftung gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) jedes Jahr den Fleischatlas pünktlich zum Start der Internationalen Grünen Woche heraus, 2016 unter dem Titel "Deutschland regional".
Während der Fleischatlas im vergangenen Jahr noch vor dem weltweit steigenden Fleischverzehr warnte, schaut er jetzt auf die Tierhaltung und den Konsum in Deutschland. Das Ergebnis ist vorsichtiger Optimismus: In Deutschland reduzieren immer mehr Menschen ihren Fleischkonsum, und rein theoretisch wären einer Umfrage zufolge 80 Prozent auch bereit, höhere Preise zu zahlen - wenn sie sichergehen könnten, dass die Haltungsbedingungen der Tiere dadurch verbessert würden.

Quelle und weitere Informationen:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/fleischatlas-2016-massentierhaltung-wird-zum-standard-a-1071716.html

Massentierhaltung Hintergrundinformationen

Massentierhaltung

In der Massentierhaltung leben und sterben allein in Deutschland über 778 Mio. Tiere pro Jahr (Stand 2015; exkl. Fische in Aquakultur). Hier werfen wir einen Blick hinter die Fassade der Agrarindustrie und stellen Ihnen vor, wie die sogenannten »Nutztiere« gehalten werden. Die Hintergrundinformationen sind bewusst sachlich und ohne Übertreibungen gehalten. Sie basieren auf Fachliteratur; jeder Artikel enthält Quellenangaben.

Gemeinsamkeiten in der Massentierhaltung

Bevor wir die einzelnen Haltungsformen im Detail vorstellen, sei erwähnt, welche Gemeinsamkeiten in den verschiedenen Formen der Massentierhaltung bestehen:
  • Die meisten Tiere werden gewaltsam den Haltungsformen angepasst: Hörner, Ringelschwänze, Schnäbel und z. T. auch Zähne werden ohne Betäubung gekürzt/abgetrennt (die Hühnermast bildet eine Ausnahme, weil die Tiere so jung geschlachtet werden).
  • Wesentliche Grundbedürfnisse der Tiere werden ignoriert und ihre Bewegungsfreiheit wird stark eingeschränkt.
  • Um die Tiere trotz unpassender Haltung leistungsfähig zu erhalten, ist eine häufig routinemäßige Abgabe von Antibiotika unvermeidlich geworden, was auch Gefahren für die menschliche Gesundheit mit sich bringt.
Quelle und weitere Informationen: https://albert-schweitzer-stiftung.de/massentierhaltung